Willkommen
DIE KATZE IN GOETHES BETT von Letizia Mancino-Cremer
Ist die Katze in Goethes Bett eine Lektüre für Goethe - Freunde oder für Katzen-
Liebhaber“?
Es ist für Leser, die Goethe mögen
und Katzen auch.
Die einzige Bedingung ist: Unbefangenheit! Goethe- Freunde sollen sofort die
Vorstellung aufgeben, der Dichter hätte sich immer wie ein „Olympier“ benommen.
Gleichzeitig sollen sie zugeben, dass unsere kleine Protagonistin, die Katze in
Goethes Bett, sich immer wie eine „Olympierin“ verhält, auch wenn sie das
Katzenklo besucht. In jedem Fall
warnen wir alle „Goethe- Anbeter“
vor diesem Buch, denn sie
werden in diesem Text auf keinen Fall „ihren“ Goethe
wieder erkennen. Kein Wunder! Auch Charlotte von Stein, Goethes Geliebte
in Weimar, hat „ihren“ Dichter nach
dem römischen Aufenthalt (und den „Römischen Elegien“) nicht wieder erkannt: Er
kam zurück als ganzer Mensch, aber sie wollte nur den „perfekten“ Menschen! Mit
einer zehnjährigen strengen Erziehung wollte sie ihm die „wilde“ Natur restlos
austreiben: Vergeblich, er ist davon gelaufen.
Goethe floh am 3. September 1786 inkognito nach Italien, lebte in Rom
(1786-1788) und nahm Domizil in dem römischen Palazzo Moscatelli: Er wollte
nicht einmal unter dem falschem Namen Filippo Briefe empfangen: Päpstliche
Spione waren verdammt gut! Keine Aufregung, Entspannung, Studium, Zeichnen und
Malen, Zeit für die Frivolitäten des Lebens, Liebe, dies alles wollte er in Rom
erleben. Eine unkonventionelle Künstlergesellschaft gab dem Dichter die
Möglichkeit, sein Leben ungestört zu gestalten: Doch ein „winziges“ Problem,
sie, unsere kleine Katze, wartete auf ihn! Diese schwierige Beziehung ist Thema
unserer kleinen Untersuchung: Die Katze in Goethes Bett.
Verlassen wir nun die kalte gestaltlose Welt des Nordens, Charlottes Reich, und
besuchen in Rom in der Via del Corso den Dichter und unsere Protagonistin. Sie,
die Katze, ist die Zeugin von Goethes misslungenen und gelungenen
Liebesannäherungen. Für Goethe begann in Rom die Zeit der inneren Verschmelzung,
die Zeit der „Erotica Romana“, der „Römischen Elegien“. Hätten die Liebesanstöße
den Dichter nicht geformt, wäre er
vielleicht ein „Torso“ geblieben und sein Werk auch.
Der Dichter musste (leider) bis Januar 1788 auf eine sinnliche Liebesbeziehung
mit einer Frau warten: Nur dem Großherzog Carl August vertraute er in Briefen
seinen Liebesfrust, sonst niemandem. Unsere Katze wäre gern die Freundin und
Vertraute von Charlotte von Stein geworden: Sie hat viele
Trostbriefe an Goethes verlassene Geliebte geschrieben. Obwohl wir nicht
ganz sicher sind, ob diese Briefe in ihrer Katzen-Phantasie entstanden sind oder
sie doch wirklich Charlotte erreicht haben. Wenn ja, sind sie aber alle von
Charlotte restlos vernichtet worden.
Nun kommt die wirklich große Frage:
Sind Katzen und Goethe vielleicht ähnlich?
Oder kennt jemand eine Katze, die sich dressieren lässt?